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wohnen in einer alten Zigarettenfabrik

Die Inbetriebnahme der 1908 erbauten Zigarettenfabrik Batschari bedeutete für die Stadt Baden-Baden der Beginn der industriellen Phase.
Mit dem Bau einer Zigarettenfabrik inmitten der Sommerhauptstadt Europas, ist dem gewieftem Unternehmer August Batschari ein cleverer Schachzug gelungen. Das neoklassizistische Gebäude entstand direkt gegenüber des alten Bahnhofs und dem heutigen Festspielhaus. 
Im 19. Jahrhundert beherbergte die Stadt Baden-Baden zahlreiche internationale Gäste - vor allem Franzosen und Russen. Viele dieser Gäste rauchten - die Russen Zigaretten und die Franzosen Zigarren. 
Der schwere, süßlich-klebrige Duft, der dem Riesenkomplex der Zigarettenfabrik Batschari zwischen Balzenbergstraße und Mozartstraße entströmte, begleitete jahrzehntelang die Bewohner dieses Viertels.
Die Zigarettenproduktion wurde kräftig ausgebaut, von 110.000 Zigaretten Tagesproduktion in 1899 bis zu mehr als drei Millionen, die täglich in der neuen Fabrik an der Balzenbergstraße zum größten Teil maschinell hergestellt wurden.
Rund 800 Beschäftigte, vor allem Frauen, waren mit der Herstellung der August Batschari Cigaretten beschäftigt.
Noch vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme. Unter anderem wegen der immensen Tabaksteuer-Erhöhungen und der daraus resultierenden Steuerschulden war Batschari in der Existenz bedroht.
Die Steuerschulden wurden vom badischen Staat aus volkswirtschaftlicher Rücksichtnahme gestundet – Batschari war der größte Arbeitgeber Baden-Badens, eine Insolvenz hätte den Ausfall der gestundeten Steuern sowie zukünftig weniger Steuereinnahmen und höhere Ausgaben für die Wohlfahrt (Arbeitslosenunterstützung) bedeutet.
 
Kurz vor dem endgültigen Zusammenbruch kaufte der Reemtsma-Konzern im Frühjahr 1929 zumindest das Baden-Badener Unternehmen trotz der hohen Schuldenlast, um damit einen wichtigen Konkurrenten auszuschalten. Nur unter erheblichen finanziellen Zugeständnissen staatlicherseits willigte Reemtsma in die Fortführung des Produktionsstandorts Baden-Baden ein, wenig später wurde der Betrieb aber sogar durchgreifend modernisiert.

Von Beginn an waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Batscharis sowie die staatlichen Subventionen vor der Öffentlichkeit verheimlicht worden, die schließliche Aufdeckung der Vorgänge in der Presse löste den Reemtsma-Skandal aus, der zeitgenössisch auch als Affäre Batschari-Reemtsma bezeichnet wurde.

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